UrbanLab Viererfeld

UrbanLab Viererfeld Wissenschaft im Dialog für eine nachhaltige Quartierentwicklung

Wissenschaft im Dialog für eine nachhaltige Quartierentwicklung

Das UrbanLab erforscht transdisziplinär und multiperspektivisch, wie die ökologischen und sozialen Nachhaltigkeitsziele der Stadt Bern während und nach dem Bau des neuen Quartiers im Vierer- und Mittelfeld erreicht werden können. Dafür werden praxisnahe Daten aus der Physischen Geographie, Biologie, Wirtschaft und Sozialwissenschaft erhoben. Zudem simuliert das Projekt die Wechselwirkungen zwischen den neuen Wohnstrukturen und Umweltfaktoren. Die Ergebnisse und Zwischenergebnisse sollen den Planer*innen wertvolle Impulse und konkrete Ansätze zur Weiterentwicklung ihrer Projekte liefern.

Gemeinsam forschen und lernen für eine nachhaltige Stadtentwicklung

Auf dem Viererfeld und Mittelfeld in Bern entsteht ein neues Stadtquartier. Wie verändert die Bebauung das Stadtklima? Welche Bedeutung haben Grünflächen für die Biodiversität und das Wohlbefinden der Menschen? Wie können unterschiedliche Bedürfnisse bei der Quartierentwicklung berücksichtigt werden? Und wie lässt sich ein Stadtquartier gestalten, das auch unter veränderten klimatischen Bedingungen lebenswert bleibt?

Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigt sich das UrbanLab Viererfeld der Universität Bern. Seit September 2025 begleitet das Projekt die Entwicklung des neuen Quartiers wissenschaftlich. Dabei verbindet es naturwissenschaftliche Messungen und Modellierungen mit sozialwissenschaftlichen Untersuchungen. Das Viererfeld und Mittelfeld wird so zu einem langfristigen Forschungs- und Lernraum, in dem Forschende, Studierende, Schüler*innen, Stadtverwaltung und Quartierbevölkerung gemeinsam Wissen über nachhaltige Stadtentwicklung erarbeiten.

Forschung für eine nachhaltige Quartierentwicklung

Das UrbanLab Viererfeld untersucht die ökologischen und gesellschaftlichen Veränderungen, die mit der Entwicklung des neuen Stadtquartiers verbunden sind. Im Mittelpunkt stehen Fragen zum Stadtklima, zum Energie- und Wasserhaushalt, zur Biodiversität und zur sozialräumlichen Entwicklung.

Dazu erfassen Forschende beispielsweise Temperaturen, Energieflüsse und weitere Umweltbedingungen. Mithilfe von Modellen untersuchen sie, wie sich die Bebauung auf das Stadtklima und andere natürliche Prozesse auswirken könnte. Gleichzeitig beschäftigen sich sozialwissenschaftliche Forschungsprojekte mit der Wahrnehmung und Nutzung des Viererfelds, mit Fragen des Wohlbefindens sowie mit den unterschiedlichen Interessen und Bedürfnissen der Menschen.

Die Verbindung dieser Perspektiven ermöglicht es, nachhaltige Stadtentwicklung umfassend zu untersuchen. Denn ob ein Stadtquartier lebenswert ist, hängt nicht allein von seinen baulichen und ökologischen Eigenschaften ab. Ebenso wichtig ist, wie Menschen die Räume nutzen, welche Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Teilhabe bestehen und wie unterschiedliche Interessen in Planungsprozessen berücksichtigt werden.

Gemeinsam Wissen schaffen

Das UrbanLab versteht Forschung als gemeinsamen Lernprozess. Wissenschaftliche Erkenntnisse sollen nicht nur an die Stadtverwaltung und die Bevölkerung vermittelt, sondern gemeinsam mit ihnen entwickelt, diskutiert und weitergedacht werden.

Dafür arbeitet das Projekt mit verschiedenen Ämtern der Stadt Bern, Bildungsinstitutionen, Forschungseinrichtungen und Quartierorganisationen zusammen. Ein besonderes Anliegen ist es, unterschiedliche Perspektiven und Wissensformen zusammenzubringen. Neben wissenschaftlichen Messungen und Analysen sind deshalb auch die Erfahrungen und das lokale Wissen der Menschen wichtig, die das Viererfeld und Mittelfeld bereits heute nutzen oder von seiner Entwicklung betroffen sind.

Das UrbanLab schafft dafür Möglichkeiten zum Austausch und zur Zusammenarbeit. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen sowohl die wissenschaftliche Forschung als auch die öffentliche Diskussion über nachhaltige Stadtentwicklung bereichern.

Das erste Projektjahr: Forschung, Lehre und Dialog

Seit dem Projektstart im September 2025 wurden die Grundlagen für die langfristige wissenschaftliche Begleitung geschaffen. Erste Forschungsaktivitäten in den Bereichen Stadtklima, Energiebilanz, Wasserhaushalt, Biodiversität und sozialräumliche Entwicklung wurden begonnen oder vorbereitet. Gleichzeitig entstanden neue Kooperationen und Austauschformate.

Ein wichtiger Meilenstein war das erste KooPéro am 29. April 2026 im Schulhaus Enge. Die Veranstaltung brachte Forschende, Vertreter*innen der Stadtverwaltung und Menschen aus dem Quartier zusammen. An verschiedenen Thementischen wurden Forschungsfragen vorgestellt, Erfahrungen ausgetauscht und Möglichkeiten zur weiteren Zusammenarbeit diskutiert.

Auch in der universitären Lehre ist das UrbanLab inzwischen verankert. Im Frühjahrssemester 2026 beschäftigten sich 35 Studierende im Masterseminar Climate-sensitive Urban Development mit Fragen klimaresilienter Stadtentwicklung. In interdisziplinären Forschungsprojekten untersuchten sie unterschiedliche Aspekte des Viererfelds und Mittelfelds. Eine erste Bachelorarbeit zum subjektiven Wohlbefinden von Anwohnenden und Nutzenden wurde bereits abgeschlossen. Weitere Bachelor- und Masterarbeiten sind in Bearbeitung.

Darüber hinaus wurde das UrbanLab in verschiedenen öffentlichen Veranstaltungen und Medienbeiträgen vorgestellt. Dazu gehören Veröffentlichungen im Fachjournal GAIA, im Länggassblatt und in UniAKTUELL. Diese Aktivitäten tragen dazu bei, die wissenschaftliche Begleitung der Quartierentwicklung öffentlich sichtbar und zugänglich zu machen.

Wie geht es weiter?

In den kommenden Jahren werden die Forschungsaktivitäten weiter ausgebaut. Geplant sind unter anderem langfristige Messungen von Oberflächen- und Bodentemperaturen, Luftschadstoffen und Energieflüssen sowie weitere sozialwissenschaftliche Untersuchungen.

Auch die Zusammenarbeit mit Schulen und der Quartierbevölkerung soll vertieft werden. Vorgesehen sind beispielsweise partizipative Forschungsprojekte, bei denen Schüler*innen ihre Wahrnehmungen und Erfahrungen mit dem Viererfeld fotografisch dokumentieren, sowie weitere KooPéros und Citizen-Science-Formate, bei denen interessierte Menschen selbst an wissenschaftlichen Untersuchungen mitwirken können.

Das UrbanLab Viererfeld begleitet damit nicht nur die Entstehung eines neuen Stadtquartiers. Es untersucht zugleich, wie Wissenschaft, Stadtverwaltung und Gesellschaft gemeinsam an einer nachhaltigen Stadtentwicklung arbeiten können. Die Erfahrungen aus Bern sollen auch für andere Städte nutzbar gemacht werden.

Mitmachen und Kontakt

Das UrbanLab Viererfeld lebt vom Austausch unterschiedlicher Perspektiven. Wir freuen uns über Fragen, Anregungen und Interesse an einer Zusammenarbeit.

Kontakt: urbanlab.giub@unibe.ch

Projektlaufzeit: 2025 bis 2027

Projektleitung und Partner*innen:

Antragstellende: Prof. Dr. Stefan Brönnimann*, PD Dr. Jeanine Wintzer*, Dr. Jörg Franke*, Dr. Moritz Gubler*, Prof. Dr. Jean-David Gerber (Geographisches Institut GIUB), Dr. Apolline Saucy* (Institut für Sozial- und Präventivmedizin ISPM), Prof. Dr. Edouard Davin* (Physikalisches Institut und Wyss-Academy for Nature) ​(*Oeschger Zentrum für) Klimaforschung OCCR​

Partner*innen: Stadt Bern: Immobilien Stadt Bern (FPI, Beat Kästli), Tiefbau Stadt Bern/Stadtgrün (TVS, Matthias Aebischer), Stadtplanungsamt/Bereich Freiraum (Stefan Lauber), Amt für Umwelt/Stadtlabor (SUE, Ralf Maibusch, Natalie Schäfer), Gesundheitsdienst (BSS, Denise Felber), ​Fachstelle Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen (Rahel Reinert), Quartierkommission Länggasse Engehalbinsel (Daniel Blumer), eawag (Dr. Lauren Cook), Berner Fachhochschule (Prof. Dr. Pierre Queloz), Pädagogische Hochschule Bern (Dr. Moritz Gubler, Dr. Matthias Probst, ), Gymnasium Neufeld (Georg Bill)    

Weitere Infos zum Thema

UrbanLab Viererfeld in den Medien

UrbanLab Viererfeld im Längassblatt (PDF, 334KB)